Nachvollziehbar, dennoch scheiße.

Geliebtes Volk Libyens.

Rebellen meines Herzens.

So wird das nix.

Auf meinem Schreibtisch leuchtet jeden Tag aufs Neue das brombeerfarbene Licht des Verständnisses im Dauerzustand. Denn ich bin als alter Humanist ja feste der Meinung, dass jeder einen Plan hinter seinen Taten hat. Draußen verhaut eine Mutter ihr Kind? Kein Problem, ist zwar erziehungstechnisch total Matt und menschlich auch scheiße, hat aber bestimmt Überforderungshintergründe, die wiederum ihre Wurzeln in der Sozialisation haben. Österreicher bauen sich Kellerwohnungen für Ihre Kinder und unfreiwilligen Kindeskinder? Auch kein Ding, da ist bestimmt mentales Porzellan zerbrochen und wir kennen die wahren emotionalen Leiden der Familiendespoten ja garnicht.
Sprich: Ich kann echt, echt viel Nachvollziehen. Nicht gutheißen oder tolerieren. Aber irgendwie verstehen. Verstehen Sie? Ich hoffe.

Dass die Libyer aber echt völlig durch sind und auch mein Beerenlämpchen so langsam aber sicher auch zu weinen beginnt, hat sich dieses Wochenende rauskristallisiert.

Das ist die Story:

Schwere Kämpfe in Libyen. Rebellen gegen Soldaten, Blut, Tote. Die Nato eilt mit Kriegsmaschinen zur Hilfe und ebnet ein paar Bergketten ein. Die Rebellen freuen sich.
Bis hierhin recht harmlos, meint man.

Nun ist es so, dass östlich des Bosporus Zustimmung ab einem grad obligatorisch durch das Abfeuern eines Maschinengewehrs zum Ausdruck gebracht wird. Kann ich nachvollziehen, so kulturell.
In Libyen ist es so, dass sich nun die Bevölkerung mit schweren Waffen ausgerüstet hat, um den Soldaten der Sonnenbrille Einhalt zu gebieten. Also haben sie auch Flaks, um mit ihnen vor Freude in die Luft zu schießen. Kann ich auch noch nachvollziehen.

Mir brennt aber das Brombeerlämpchen durch, wenn die Rebellenfreunde vor Freude mit einer Flak in die Luft ballern, weil gerade ein Amibomber über sie fliegt.
Dann macht der Pilot der A10 (oder was auch immer gerade flog): Er macht sein Brombeerlämpchen einfach aus, öffnet den Geschenkeschacht und lässt ordentlich jucken.

Und dann sterben 13 Rebellen. Und warum? Weil sie nicht für 5 cent nachgedacht haben. Irgendwo hört mein Verständnis ja auch auf.

Den Artikel gibt es hier.

7 Comments to “Nachvollziehbar, dennoch scheiße.”

  1. Boris 4 April 2011 at 17:46 #

    “Der Feind ist da, wo Gefechtslärm ist.”
    SS-Obergruppenführer Wilhelm Bittrich

  2. Boris 4 April 2011 at 17:54 #

    @daspferd Was mich -der von dem Computerkram gar nix versteht- rein handwerlich stört: Dass ich die Kommentare die ich hier rein schreib nicht bei facebook seh und das mit dem “Gefällt mir” Button klappt auch nicht. Mag Gründe haben, ist trotzdem Dreck. Sorry, Internet- und Werbeagentur meines Herzens.

  3. Hannsor 4 April 2011 at 19:02 #

    @boris – also des mit den Kommentaren kann ich verstehen, ist aber technisch, weil bei FB nur Typen kommentieren dürfen, die über FB eingelogged UND verbunden sind (sprich: totales hin und her und datenschutz und dies und das und so). Dass der GF-Button bei Dir nicht funtzt, kann ich nicht nachvollziehen – ich like das hier mal, in der Hoffnung…

  4. Hannsor 4 April 2011 at 19:02 #

    gefällt mir geht.

  5. Boris 4 April 2011 at 19:09 #

    Das mit den Kommentaren dacht ich mir schon, ansonsten hier

    http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=10150126444771795&id=258521296794

    Ich hab jetzt keine schlaflosen Nächte deshalb. Irritiert mich nur, Tschuldigung.

  6. Hannsor 4 April 2011 at 19:25 #

    @boris again, jetzt hab ich das verstanden – Gerald hatte gerade mit Heinrich eine ähnliche Diskussion auf FB – wir kümmern uns drum. Danke für die Anregung. ;-)

  7. Jürgen 5 April 2011 at 14:39 #

    War das nicht auch eine A10 die im letzten Golfkrieg einen Convoi fix mit Raketen angegriffen hat und dann erst beim Wenden merkte, dass die LKW alle der Britischen Armee gehören? Zum Glück hat der Pilot dann davon abgesehen noch die Bordkanone zu benutzen…
    Vielleicht haben sich die Rebellen nur schon mal vorbeugend gewehrt.


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