Ode an ein Erdmännchen

Vor wenigen Wochen war ich im Zoo in Heidelberg. Dort stand ich andächtig vor Gottes schönster Schöpfung: dem Erdmännchen. Als ich es in ewiger Faszination betrachtete und mich fragte, wie es so etwas schönes auf dieser schlechten Erde noch existieren kann, begann hinter mir ein Dialog zwischen Mutter und Kind.

In meinem ästehtischen Rausch hörte sich der Dialog wie folgt an:

Mutter: “Sieh, doch, Sohn, ein Erdmännchen. Ist es nicht wahrlich anmutig!”

Sohn: “Ja, Mutter! Noch nie zuvor ward mein Herz von solch Schönheit / einer Göttin gleich / erfüllt. Fürderhin soll mein Streben / mein ganzes Sein / unterworfen sein der Forschung und der Lehre / um zu wissen / welcher Natur dies Kreatür sei / und wie sein Antlitz kann so lieblich sein .” *)

Mutter: “Wohl denn, Sohn, sieh doch dort, ein Polarfuchs.”

Sohn “Oh, Mutter! …”

Aber leider, leider verlief das Gespräch ungefähr so:

Mutter: “Kumma, Kevin, ‘n Timooon.”

Sohn: “Nää, will Eis.”
Mutter: “Krisse keins, iss mal nen Apfel.”

Sohn: “Nää, alls scheise.”

Mutter: “Dann gehma halt weiter. Was das? N laufender Pelz oder was?” …

Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht.

Herr Büchse.

*) Darf als Eid in öffentlichen Kindergärten verwendet werden. Copyright Herr Büchse 2010.

2 Comments to “Ode an ein Erdmännchen”

  1. Miss Green 4 August 2010 at 10:26 #

    Herr Büchse – Sie sind zurück! Fürwahr ein erhabener Moment an diesem schönen Morgen!

  2. Oberstudienschrat 4 August 2010 at 21:13 #

    Es ist so tragisch, weil es aus dem Leben gegriffen ist. Leider


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