Phrenologie zum Mittagessen
Kein Vertriebenenstammtisch, keine Fußballfankurve diese Welt ist so voller Wahrheiten wie unsere Mittagessenrunde. Während wir heimlich miteinander konkurrieren, wer sich am schnellsten mittels Junkfood arbeitsunfähig fressen und dicke Staatsprämien kassieren kann, laufen bei uns härteste Diskussionen rund um unsere Pasta-Rote-Sauce-Fix-Und-Fertig-Eintopf-Hähnchennuggets-Spezialitäten aus dem Netto. Schuld daran ist unsere Programmierpraktikanteuse, die unsere sonst eher elitären Gesprächskreise (“Ey, Fussi is cool.” “Jo.” “Freibad auch.” “Jo.” “Lass ma wieder arbeiten.” “Jo.”) aufbricht und uns mit ganz neuen Denkansätzen versorgt.
Ein Beispiel:
Sie: “Sag mal, deine Mutter ist doch Ärztin und Dein Vater Unternehmer”
Er: “Ja. Und?”
Sie: “Man sieht Dir Deine kleinbürgerliche Herkunft garnicht an.”
Er: “Was??”
Sie: “Deine kleinbürgerliche Herkunft. In dem Land, aus dem ich komme, versuchen alle Eltern der niederen Stände Ihre Kinder auf Oberschicht zu trimmen, mit guten Hemden und so. Das machst Du nicht.”
Er: “Was??”
Sie: “Naja, dir sieht man den ehrlichen, hart arbeitenden Mann noch an…”
Er: “Ich bin Designer.”
Sie: “…nicht so wie bei ihm. (sie zeigt auf den anderen Kollegen) Gewähte Sprache, Polohemd. Das typische Aufsteigerkind eben.
Er2: “Aber meine Mom ist Yogalehrerin und…”
Sie: “Naja, jeder versucht sich der Oberen Burgeoisie (sagte sie in echt!) anzupassen. Das ist ganz normal.”
Ich: “Ich will auch! Ich will auch! Sag mir an meinem Aussehen, woher ich komme.”
Sie: “Arbeiterklasse. Sieht man an Körperhaltung, Ausdruck, Weltanschauung.”
Na dann. 5 Jahre die Musik der Dropkick Murphys hören geht wohl nicht spurlos an einem vorbei.
We’re the first ones to starve, we’re the first ones to die
The first ones in line for that pie-in-the-sky
And we’re always the last when the cream is shared out
For the worker is working when the fat cat’s about
2 Comments to “Phrenologie zum Mittagessen”
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So, und jetzt wisst Ihr auch, warum ich immer nach Euch essen gehe … wobei … scheinabr verpasse ich ja was
Sie sind so sehr Arbeiterklasse, wie meine Schüler Gangster aus dem Ghetto sind!