Filme mit Kaffee entwickeln ?!

Was soll bloß mit dem letzten Rest Kaffee gemacht werden? Ganz einfach: Entwickeln wir doch einen Film damit.
Es hört sich zwar skurril an, funktioniert aber wirklich. Es braucht nur etwas Instant-Kaffee, ein bisschen Waschsoda und einen Hauch Vitamin C – und schon hat man einen in jedem Supermarkt verfügbaren Entwickler für analoge Schwarz-Weiß-Filme hergestellt.
Diese drei Zutaten bilden das Grundgerüst für “Caffenol C” – so heißt das Zeug dann. Ich stolperte durch Zufall darüber und musste sofort testen, ob da etwas dran ist. Also alle Zutaten gekauft und losgelegt – und wie man an obigem Bild sieht – mit Erfolg. Ich belichtete einen Agfa APX 100 Kleinbildfilm, entwickelte mit Caffenol C und erhielt auf den ersten Blick gute Negative. Da ich aber keinen Vergrößerer besaß, wollte ich die Negative einscannen, was sich als schwierig herausstellte – so ganz ohne Diascanner. Jedenfalls lief am Ende alles darauf hinaus, die Negative im Fotoladen abzugeben und vergrößern zu lassen, denn durch das Einscannen mussten die Negative am PC nachbearbeitet werden – wodurch ich natürlich nicht wusste, wie sie denn jetzt in echt aussahen.
Also habe ich gewartet, bis die Bilder fertig waren – und war überwältigt. Dass ein koffeinhaltiges Heißgetränk so etwas schafft, hätte ich nicht gedacht. Also war das Projekt ein voller Erfolg – und auch nicht mein letzter Kaffee
.
Und jetzt die Frage: Wozu das Ganze? Bei heutigen Digitalkameras ist es doch eigentlich unnötig, auf analoges Filmmaterial zurückzugreifen – und wenn, dann gibt man es eben zum Entwickeln ab. Okay, alles schön und gut, aber bei dieser “alten” Technik kann man eben viel mehr experimentieren. Photoshop bietet zwar auch viele Funktionen, aber bei richtigem “Film” hat man eben etwas in der Hand. Man hat vor Ort genau über die Lichtsituation, Blende und Belichtungszeit nachgedacht, sich gefragt, wie viel Schärfentiefe dem Bild gerecht wird… und und und. Außerdem denke ich, dass es für jeden heutigen Fotografen wichtig ist, etwas über die Wurzeln seiner Beschäftigung zu wissen.
Ich finde diese Themen sehr interessant und werde sie auch noch weiter verfolgen. Schließlich habe ich mein Kaffee-Projekt in einem kleinen Video festgehalten.
Außerdem habe ich endlich meinen Film-Blog fertig gestellt – hier der Link zum Artikel über Caffenol. Der Blog sollte ursprünglich nur das Thema “Super 8″ behandeln, aber die Projekte haben sich thematisch etwas ausgedehnt. Wer möchte, kann auf das schöne orange Symbol oben rechts klicken und meinen RSS-Feed abonnieren – für Kommentare wäre ich dankbar
.
6 Comments to “Filme mit Kaffee entwickeln ?!”
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Oh Mann Niklas – Klasse!
ganz ganz ganz großes Kino! Sehr beeindruckend.
Hallo!
Zum ersten Mal habe Film “neopan 1600″ in Kaffee 35 min, entwickelt.
* 500 ml Wasser
* 8 Teelöffel löslicher Kaffee
* 4 Teelöffel Natriumkarbonat (Soda)
+ ca. 2g Vitamin C
Negativ war so Dicht, dass ich ihn nicht scannen könnte.
Nun habe ich probiert, Ihren Rezept nach, Film zu entwickeln. Negativ entstanden durchsichtig so, als ob das Film überhaupt nicht zu belichtet wurde. Dachte, dass ich mit der Zeit bei der Entwicklung überschätzte. Also versuchte ich von neuen anderen “neopan 1600″ nach Ihren Rezept bearbeiten, aber dies Mal habe ich das Film nur 12 min in Entwicklersdose gehabt. Und wieder ist Negativ wie überhaupt nicht belichtet wurde. Nun verstehe ich nichts. Erste Zwei Filmen (Ilford Delta 400 und neopan 1600) sind einigermaßen gut gelungen. Negativ von Ilford Delta 400 könnte ich sogar scannen, obwohl das Film vor Jahren belichtet wurde und dann vergessen in Fotoapparat .
Also, können Sie mir bitte ein Rat geben, oder bloß erklären, was mit letzten Filmen in einem Entwickler mit Kaffee passierte?
Hallo aphenogen. Sorry, der herrruehl ist leider nicht mehr bei uns – er hat ja “nur” Praktikum gemacht. Und zu diesem speziellen Thema kann bei uns leider keiner helfen.
Ach so… noch mahr interessante Experimente, Erkenntnisse und Entwicklungen gibt es hier:
http://www.niklas-ruehl.de/blog
Und vielleicht auch Antworten auf sehr spezielle Fragen – Einen schönen Gruß an Niklas von uns allen
Erstmal hallo an alle und viele Grüße zurück!
@aphenogen:
Wenn das Negativ zu dicht ist, sollte die Entwicklungszeit verringert werden (35 Min. scheinen mir etwas lang).
Ist der Film zu blass, kann entweder länger entwickelt oder die Konzentraion der “Zutaten” etwas erhöht werden.
Bei fachgerechter Handhabung funktioniert das genannte Rezept für den genannten Film einwandfrei – anderer Film = anderes Rezept und andere Entwicklungszeiten. Fixieren nicht vergessen.
Aber wie gesagt: Weitere Fragen können gerne auf meinem Blog erfolgen.
Viele Grüße
herrruehl