Berlin ödet mich so dermaßen an, das gibts garnicht.

Oaky, zugegeben, ich komme aus der Provinz und es ist schon arg herablassend, Berlin als “Öde” zu bezeichnen, wenn hier die Geschäfte um 18.00 zu machen. Aber ich will mich erkären: Seit dem Römischen Reich konzentriert sich jegliches kulturelles, intellektuelles und monetäres Engagement einzig und allein auf Beton-und-Glaswüsten mit über eine Million Einwohner. Das zieht natürlich auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Daraus folgt wieder, dass noch mehr Engagement in die Großstädte fließt, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Dieser Kreislauf hat zweierlei zur Folge: einmal, dass kleinere Gemeinden weniger vom Kuchen abbekommen und sich ihre kulturellen und intellektuellen Vortöße mit dem Verkauf von Leichenteilen finanzieren müssen. Zweimal, dass eben jene Vorstöße in Sachen Kunst und Kultur allerhöchstens pittoresquen Wert haben dürefen (Bauernmalerei) und sich jedes Sozialleben Pro7 zu Folge in der Freiwilligen Feurewehr abspielen muss.
Na super.
Ich gebe ein Beispiel: Hans lebt in Berlin. Er hat eine schäbige Bude in Kreuzberg, filzige Dreadlocks, kifft und klebt mit Tape irgendwelche Monochrombilder an öffentliche Wände. Man nennt ihn dort “Künstler”. Rüdiger dagegen lebt in Mörfelden-Walldorf. Er hat auch eine schäbige Bude in der Südstraße, filzige Dreadlocks, kifft und klebt mit Tape Monochrombilder an öffentliche Wände. Der Unterschied: Rüdiger ist kein Künstler, sonden lediglich ein kiffender Penner, der von der Polizei augegriffen und zu 15.000 Euro Schadenersatz verknackt wird. Sie sehen das Problem? Allein der Wohnort macht dich cool. Wenn man nicht mit mindestens 2,5 Millionen anderen in einem stinkenden Rattenloch haust, kann man auch gleich daheim bleiben. Und weil das halt so cool ist, schreibt man darüber auch gleich ein Buch:

Die gute Helene lebt also in Berlin, ist ganz arg flippig, weil sie nich zu Schle jeht, wa, und so Berlinat halt, weesse. Und ihre Freunde nehmn auch alle dit Dope, wa, und kieken inne Küche nur ausm Fensta und reen über de Revolution, die schon die Eltern jemacht ham wa, was ja voll Fascho is, weese, weilse halt alle so sin.
In Mörfelden-Walldorf wäre Helene eine kleine Nutte ohne Schulabschluss mit nem Drogenproblem und den falschen Freunden. Da Helene aber in Berlin lebt, darf sie das, weils da halt cool ist, wenn man das so macht.
Na super.
Ich bin allmählich diese Ungerechtigkeit leid, mit der Minimetropolen wie Mainz oder Darmstadt plus deren umliegende Kommunen behandelt werden. Wir sind es, die dieses Land am laufen halten und wir sind es auch, die dafür am wenigsten Roaylties bekommen. Irgendjemand muss doch mal völlig trendfrei daher kommen können, ohne gleich in die Riege der Hinterwäldler abgeschoben zu werden. Daher schließe ich heute mit: Fick dich ins Knie, ehemalige Reichshauptstadt. Du hast fertig.
PS: Der Titel “Axolotl Roadkill” ist der wohl bescheuertste, den Ullstein je hervor gebracht hat. Das geht direkt an Sie, verehrtes Lektorat!
3 Comments to “Berlin ödet mich so dermaßen an, das gibts garnicht.”
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Sehr richtig, Herr Büchse! Wphin wäre ich denn mit meinem Bösen Imperium gekommen, wenn ich mich mit meiner Vulkaninsel in einer der Metropolen angesiedelt hätte? Zugetaggte Wände, Obdachlose auf der Mondabschussrampe, Gangstakiddies, die meinem antimateriebetriebenen Supermobil die Felgen klauen.
Erzittere, Großstadt, die Provinz schlägt zurück!
Ich kann ihnen nur beipflichten. Wer braucht Berlin, wenn er Berkach haben kann, wer braucht New York, wenn Nauheim direkt vor der Tür liegt (von Tokio und Trebur ganz zu schweigen)
Wenn man auf offener Straße erschossen werden möchte, dann kann man auch in Rüsselsheim Eisessen gehen, da findet man auch mehr Gangster als in Harlem und der Bronx zusammen.
Daher fordere ich: BE PROUD TO BE PROVINZ!
Wir haben alles was die Metropolen auch haben… und Landwirtschaft
Also… ich finds ned so schlimm, des Berlin… eigentlich mag ich des sogar… manchmal …eigentlich meistens … aber dauernd, wär mir auch zu kool und oder zu hektisch, da sitz ich auch mal gern im Garten mit Bratwursgrill und Freunden weit ab von allem Theater, Kino oder Konzert… Am besten: Je eine Stadtwohnung in New York, Berlin, London, Barcelona, Sofia und Tokio… und ein paar Häuschen aufm Land, so drei vier in Deutschland, zwei in Spanien, zwei bis vier in USA und Kanada, vielleicht noch das ein oder andere in Asien. Hä, was? Ob ich Paris und Frankreich vergessen hab? Ne, ganz sicher nicht…